Raumton

Zur sensorischen Potenzierung anfänglich für früher >3-D<-Filmpremieren um 1952, ab 1953 aber prinzipiell aber für einen Roadshow-Sound der Breit- und Großbildwand war ein konsequentes Aufgreifen der bahnbrechenden Erzeugnisse stereophonischer Technologien auf nicht-optischer Aufzeichnungsbasis unerlässlich.
Die gegenüber dem vergleichsweise oft dumpfen, verrauschten, verzerrten und verklirrten >Lichtton< überragende >Magnetton<-Qualität machten sich anfangs alle Roadshow-Kinos und somit fast alle >Breitwand<- und >Breitfilm<-Verfahren zunutze. Die Produktions- und Verleihfirma Cinerama Inc. ließ von dem Ingenieur Hazard Reeves ein System mit 7-kanaligem, direktional im X-Y-Verfahren aufgenommenen und vollstereophonisch gemischten >Magnetton< entwickeln, der schließlich auf separatem, mit Magnetitpasten begossenem Full-coat-Perfostreifen aufgespielt wurde und nach der 2-Band-Methode (als Interlock Sound, oder SepMag genannt – ein Magnetfilm, der separat vom Bildfilm auf „Perfo-Bandspielern” läuft) dem Bildfilm zugespielt wurde. Die Prototypen von <CINERAMA> in der >Magnetton<-Abtastung bestanden aus 2 Kopfträgern, auf denen jeweils 3 Magnetköpfe arretiert waren, deren Länge sich über das komplette Bildfeld eines 35-mm-Bandes mit 6-Loch-Transportschritt erstreckten – analog also zum Bildfilm, denen eine genauere Beschreibung fehlt. Prinzipiell wurden seit Anbeginn des Systems 7-kanalige Bandspieler mit gleichberechtigten Kanälen eingesetzt, wobei der 7. Kanal kein Steuerkanal mit Pilottönen und Umschaltfunktionen oder gar ein Back-up-Kanal im Falle des Ausfalls der anderen Kanäle war, wie oft kolportiert wird, sondern, wie auch schon der benachbarte 6. Kanal, regulär eine dauerhaft eingeschaltete Effekt-Spur für die linke oder rechte Saalwand beinhaltete. Auch enthielt er zu keiner Zeit eine <PERSPECTA Stereophonic Sound>-Kodierung, zumal der 6. und der 7. Kanal stets manuell geschaltet wurde, entweder in der Konfiguration für die linke und die rechte Saalwand, oder der 6. Kanal wurde auf beide Saalseiten gelegt und der 7. Kanal für an der Rückwand angebrachte Lautsprecher verwendet. Erst bei den <Cinerama>-Spielfilmen, den von M-G-M produzierten Titeln HOW THE WEST WAS WON und THE WONDERFUL WORLD OF THE BROTHERS GRIMM (USA 1963) sowie der in <Super Technirama 70> gedrehten, aber auch 3-streifig für Cinerama herausgebrachten Produktion HOLLIDAY ON SPAIN wurde anstelle manueller Umschaltung eine Festzuteilung des 6. Kanals für die linke und des 7. Kanals für die linke Wandgruppe entschieden.
Reeves sorgte auch für die apparative Ausstattung zur Mischung und Wiedergabe des <4-Kanal Magnettons> des ersten <CinemaScope>-Films, THE ROBE (USA 1953, <CinemaScope>), wobei sich die Weltpremiere wie bei >Cinerama< einer 2-Band-Wiedergabe (= SepMag) bediente. Ein Durchbruch dieses gegenüber dem >Cinerama< vergleichsweise billigeren Verfahrens wurde aber erst mit der Kombination der >Magnetton<-Spuren (ComMag) auf dem Bildfilm geschaffen, wie es sich ja analog beim >Lichtton<-Film in Etappen durchgesetzt hatte: versuchsweise mit dem <Triergon>-System, dann standardisiert seit 1927 mit Warner Brothers’ <Vitaphone>-Verfahren und 1989 erneut bei den >Digitalton<-Spuren von <Dolby Digital> und <SDDS> – obschon das nach der >2-Band<-Methode mit einer CD-Rom arbeitende <dts>->Digitalton<-Format (JURASSIC PARK, USA 1992) seit der Marktdurchdringung von Dolby-Produktion wieder auf dem Rückzug ist, wiewohl es gegenüber <Dolby Digital> das weniger durch Datenreduktion in seiner Modulation beeinträchtigte System sein mag.