70mm-Breitfilm

In diese Rubrik fallen u.a. sämtliche 70-mm-Vorführkopien für traditionelle Filmtheater seit 1955 (Spielfilmkinos), unabhängig vom Ausgangsformat des Negativs, sofern die 70-mm-Vorführkopien im 5-Perforations- Schaltschritt (engl.: 5 perforation pull-down) mit 24 B/Sek. (ausnahmsweise auch 30 B/Sek.) projiziert werden. U.a. diejenigen Filme zählen aufgrund einer 70-mm-Theaterkopie dazu, die noch im klassischen 65-mm oder 70-mm-Aufnahmeverfahren (zwei unterschiedliche Negativbreiten je nach westlicher oder östlicher Hemisphäre: Schwarz-weiß-Produktionen hat es mit Ausnahme einer sowjetischen Produktion von 1962 nicht gegeben.) aufgenommen wurden, sodaß sie selbst dann noch als „>Todd-A-O<-Produktionen“ gelten können, wenn sie lediglich als Reduktionskopie eine 35-mm-Auswertung erfuhren, obwohl sie authentischerweise im >wide gauge<-Format aufgenommen sind und idealiter auch als 70-mm-Kopie präsentiert werden dürften. Umgekehrt gelten aber auch sehr viele Blow-up-Produktionen, die lediglich auf kleineren Negativflächen als 65 oder 70 mm photographiert sind, aber dennoch auf 70 mm „aufgeblasen“ werden, plötzlich als sogenannte „>Todd-A-O<-Fassungen“, kurz und bündig als Premium-Theaterkopien – ebenfalls präsentiert „in 70mm“, ungeachtet dessen, welches Ausgangsformat einer solchen >wide gauge<-Kopie mal zugrunde lag. Verkürzt gesagt: Eine breitformatige Theaterkopie bedingt nicht notwendig ein breit- oder großformatiges Negativ und umgekehrt: 35-mm- und >Schmalfilm<-Kopien können Reduktionskopien von breit- und großformatigen 65-mm-/70-mm->Todd-A-O<-Negativen sein. Zu betonen ist: In allen denkbaren Versionen und Fassungen überwiegen stets die überragenden Vorteile des Drehs auf größerformatigen Negativen, erst recht, wenn sie 1 : 1 in ihrer Originalgröße kopiert und präsentiert werden – dennoch erhalten sich einige Merkmale der Brillanz ansatzweise noch selbst in mehr oder weniger zulänglichen Reduktionskopien oder auf >Video<-Trägern.
Für die Systeme <Todd-AO>, <Super Panavision[70]> und auch das >anamorphotische< >Todd-A-O<-System<Ultra Panavision[70]> gelten dieselben Abmaße: die Kameramaske ist auf 2.072 x 0.906 Inches (≈ 52,6288 mm x 23,0124 mm) ausgefeilt. Die Markierung im Sucher oder auf der Mattscheibe können 1.912 x 0.870 Inches (≈ 48,5648 mm x 22,098 mm) betragen, zumal auch in der Projektion (in der immerhin die augetragenen Magnetitpisten auf der Kopie geringfügig den seitlichen Bildraum wegnehmen) das projektionsfähige Bildfeld ohnehin auf 1.912 x 0.870 Inches (≈ 48,5648 x 22,098) maskiert wird. Bei Umkopierung auf das >anamorphotische< 35-mm->Scope<-Verfahren werden lediglich 0.816 Inches (≈ 20,7264 mm) der Bildhöhe des Negativs genutzt, was der Bildkomposition früherer Produktionen der „klassischen“ >Todd-A-O<-Epoche mitunter leicht die Wirkung nimmt , später jedoch vorausahnend in den Suchermarkierungen der 65-mm-Kamera Berücksichtigung findet, deren Begrenzungslinien mit 1.619 x 0.856 Inches (≈ 41,1226 x 21,971 mm) angegeben sind und die spätere Umkopierung zur 35-mm->Scope<-A.R. von 2.35 : 1 berücksichtigen sollen.

(c) Jean-Pierre Gutzeit (1994/2014 – alle Rechte vorbehalten)

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