Auftrag

Anfassen erlaubt, mitmachen erwünscht!

„Wenn der Projektor rattert und die Sehmaschie zum Leben erwacht, dann kann Kintopp vom Feinsten entstehen“ schwärmt Jean-Pierre Gutzeit, Historiker und Begründer des Kinomuseums Berlin.

Das analoge Kino in seiner ursprünglichen Form gehört zu einer gerade untergegangenen Epoche – die traditionelle Filmbandproduktion ist eingestellt, mechanische Projektoren werden nicht mehr (kaum noch?) hergestellt.

Das Kinomuseum Berlin hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturgeschichte des analogen Kinos sicht- und erlebbar zu machen – es bietet Kino zum Anfassen, Mitmachen und Schauen.

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Anamorphotisches

Welche etymologische Funktion, das wäre im Sinne dieser Begriffsbildung zu erkunden, könnte dem neuzeitlichen und in Akademikerkreisen verwendeten Kurzbegriff >Scope< für die Zuordnung eines Filmformats zugewiesen werden? Man versucht sich am „Ei des Kolumbus“ und gelangt zu folgendem Versuch:

1) >Scope<-Film bezeichnet einen zunächst nicht näher eingrenzten, aber prinzipiell >anamorphotischen< Prozeß während der Produktionskette bis hin zum Konsumenten.

2) >Scope< als Wortstamm alleinstehend setzt innerhalb eines bestimmten Interessentenkreises (z.B. der Filmvorführer-Gemeinschaft) ohne weitere Hinzufügung voraus: es handelt sich stets um eine >Scope<-Vorführung, nicht unbedingt aber eine >Scope<-Aufnahme (wie etwa dieser Terminus unter Kameraleuten nächstliegend zu verstehen wäre).

3) Terminologisch sekundär ist unter dem Aspekt der Filmwiedergabe, ob der Film entweder >anamorphotisch< aufgenommen ist oder sphärisch. Ein Beispiel: >Scope< umfaßt z.B auch die >sphärische< <SuperScope>– oder <Techniscope>-Aufnahme und letzlich auch <Super 35>.

4a) >Scope< kennzeichnet etwas >Anamorphotisches<. Sprechen wir von der Filmproduktion oder einem Drehbericht, so bezieht es sich auf einen anamorphotischen Dreh, also auf das in der Bildgeometrie gepreßte Negativ.

4b) >Scope< meint auch andersherum etwas >Anamorphotisches<. Sprechen wir von der Kopie, so kennzeichnet es das Positiv im Kopierwerk oder Vorführraum, es ist die gepreßte Bildgeometrie auf dem Positiv gemeint.

5) >Scope< als ästhetischer Begriff beschreibt jedoch auch breit im generellen, weltläufigen Verständnis: es umfaßt mitunter einen Weitwinkel, einen breitgefächerten Blick, eine Breitwandvorführung wie 3-Streifen >Cinerama< oder 1-Streifen 70 mm, oder im weiteren einen 16 : 9-Fernseher, eine Industriezeitung, eine Software oder ein Periscope (a. ein Vibrator, b. ein Sehrohr auf Unterwasserbooten), ein Mikroskop, Mutoskop, Oszilloscope u.a. Geräte, >Scope< benennt auch (im Charakter des fish-eyes) kreierte Architekturanimationen, aber auch eine Management-Expertise, eine Evaluationspraxis im Marketing von pharmazeutischen Produkten u.v.m.

Aufgrund der vermeintlichen Eindeutigkeit des Kürzels >Scope< soll hier der Vorschlag erreicht werden, eine schärfere Begriffstrennung herbeizuführen und die >anamorphotischen< Prozesse von den >sphärischen< zu scheiden, indem der seit Einführung des >Scope<-Verfahrens verbreitete Wortstamm >Scope< identische oder ähnliche Prozesse subsumiert, aber nicht kenntlich macht. Indem das gemeinhin geläufige >Scope< in dieser Abhandlung durch die Reduplikation in >Scope< ersetzt wird, hoffe ich einen Oberbegriff gefunden zu haben, der kenntlicher macht, d.h. erahnbar werden läßt, daß mit „Scope“ zwar eine Überbreite und >anamorphotische< Wirkungssweise gemeint ist, daß aber gleichzeitig immer nachzuprüfen bleibt, wo konkret diese Anamorphose einsetzt und folglich visuell verschiedene Bildcharaktere gerieren kann.