Auftrag

Anfassen erlaubt, mitmachen erwünscht!

„Wenn der Projektor rattert und die Sehmaschie zum Leben erwacht, dann kann Kintopp vom Feinsten entstehen“ schwärmt Jean-Pierre Gutzeit, Historiker und Begründer des Kinomuseums Berlin.

Das analoge Kino in seiner ursprünglichen Form gehört zu einer gerade untergegangenen Epoche – die traditionelle Filmbandproduktion ist eingestellt, mechanische Projektoren werden nicht mehr (kaum noch?) hergestellt.

Das Kinomuseum Berlin hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturgeschichte des analogen Kinos sicht- und erlebbar zu machen – es bietet Kino zum Anfassen, Mitmachen und Schauen.

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Fantastic Worlds On The Curved Screen – Die Filmreihe

Im „Filmrauschpalast“ der Kulturfabrik Moabit, Lehrter Str. 35, 10557 Berlin. Bus 123 und M27. Nähe Hauptbahnhof.
Eintritt: 6 EUR (erm. 5 EUR). Doppelprogramm: nur 9 EUR!

Unser Genre-Manifest:

Mythen und Sagen, Galaxien und Abgründe, Mutanten und Hyperräume…

Seit November 2014 ist das Kinomuseum Berlin Gast im Filmrauschpalast Moabit und zeigt dort Übergänge zwischen Dystopie, Farce und Utopie – ein Kino der letzten Tage, aber auch Bizarres.

Um in diese Welten einzutauchen, wurden die audiovisuellen Möglichkeiten im Filmrauschpalast verbessert, damit der Zuschauer sinnlicher in das Geschehen eintauchen kann: Präsentiert werden die Film-Epen auf einer kräftig geschwungenen Panoramabildwand im klassischen Filmrollenformat 35mm mit Surround-Sound.

Zu den jeweiligen Filmen werden Einführungen in die Werkgeschichte gegeben, teils auch kleine Filmplakat- und Fotoausstellungen präsentiert.

Aktuelles Programm vom Oktober 2015 – Im 2. Jahr – Kuratiert von Kinomuseum Berlin e.V. – Vor jeder Vorstellung eine fachkundliche Einführung!

Fr 02.10.15 22:00 Uhr
Fr 09.10.15 22:00 Uhr
Fr 16.10.15 22:00 Uhr
Fr 23.10.15 22:00 Uhr
Fr 30.10.15 22:00 Uhr
Fr 13.11.15 22:00 Uhr
Fr 25.12.15 22:00 Uhr

RAIDERS OF THE LOST ARK
DT: „Jäger des verlorenen Schatzes“
(USA 1981, 111 Min., OV, 35mm, CinemaScope)
R: Steven Spielberg
B: George Lucas, Philip Kaufman, Lawrence Kasdan
D: Harrison Ford, Karen Allen, Paul Freeman, Ronald Lacey, Alfred Molina
u.a.

Die Rückkehr des B-Movies und Cliffhangers – verpackt als Familien-Blockbuster mit Horror-Beisätzen.
Steven Spielbergs Inszenierung („Der weisse Hai“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“) nimmt sich Derbheiten zwischen kalkulierten Gags und improvisierter Ironie heraus, George Lucas als Produzent („THX 1138“, „American Graffity“) vermengt Sagen und Mythen, sodass sich von Anbeginn eine Kino-Saga ankündigt, wie sie Lucas bereits mit „Krieg der Sterne“ und „Das Imperium schlägt zurück“ begründet hatte.
Die Übertragung des Comics in die Bildsprache gelingt der Kamera von Douglas Slocombe vor allem durch fulminante Perspektiven, in Tiefenschärfe und in Raumstaffelungen, wobei mit Nazi-Agentenspuk und auftauenden Reliquien das neue Hollywood alle Register zwischen Dämonisierung und Religion zieht. Die neoromantische Filmmusik von John Williams in der Tradition des Monumentalfilms und Westerns gibt der von Harrison Ford verkörperten Figur des Indiana Jones ihr Leitmotiv.
Am auffallendsten aber greifen Action und Draufgänger-Chuzpe Riten def James-Bond-Serie auf, stellen aber deren Production Values und runnings gags in den Schatten.
5 Oscars für die 20-Millionen-Dollar-Produktion, die weltweit 400 Miliionen Dollar einspielte.

Fr 02.10.15 23.55 Uhr
Fr 09.10.15 23.55 Uhr
Fr 16.10.15 23.55 Uhr
Fr 23.10.15 23.55 Uhr
Fr 30.10.15 23.55 Uhr
Fr 13.11.15 23:55 Uhr
Fr 25.12.15 23:55 Uhr

INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM
DT: „Indiana Jones und der Tempel des Todes“
(USA 1984, 114 Min., OV, 35mm, CinemaScope)
R: Steven Spielberg
B: George Lucas, Willard Huyck, Gloria Katz
D: Harrison Ford, Kate Capshaw, Amrish Puri, Roshan Seth u.a

Filmgeschichte machte eine der ausgedehntesten Establishing-Shots des Kinos überhaupt: Nonstop-Action über zehn Minuten werden dank der Einfälle und Schauplätze zum atemlosen Feuerwerk. Das underscoring von John Williams Soundtrack schafft dabei eine emotionale Syntax zwischen unzähligen Action-Plots, die zu einem Ballett von Bewegung verschmelzen. Rummelplatz- und Geisterbahn-Effekte bestimmen dagegen die Verfolgungsjagden durch den Bergstollen: ein Meisterwerk der Stunt-Technik und Modellanimation.

Bildrechte: Paramount Pictures Germany

Fr 06.11.15 22:00 Uhr
Fr 20.11.15 22:00 Uhr
Fr 27.11.15 22:00 Uhr
Sa 26.12.15 22:00 Uhr

SOLYENT GREEN
DT: „… Jahr 2022 … die überleben wollen“
(USA 1974, 97 Min., OV, CinemaScope)
R: Richard Fleischer
B: Stanley R. Greenberg
D: Charlton Hesten, Edward G. Robinson, Leigh Taylor-Young, Joseph Cotton u.a

Einige Endzeitfilme der siebziger Jahre verlagern die aus den Fünfzigern nachbebende Paranoia (Ufo-Invasionen oder biblischen Plagen) diesmal in von Menschenhand gemachte Höllen. Auswüchse einer ins Katastrophische umkippenden Profitgesellschaft brechen im Jüngsten Gericht hervor: nicht der Leib Christi, sondern die Apotheose von Menschenfleisch ist das Motto, das Sakrileg in dieser amerikanischen Dystopie. New York 2022 zeigt sich als Schmelztiegel der Armut, der Polizeidiktatur und der Ernährungskatastrophe: der Immobilienmarkt versteigert nicht mehr nur knappen Raum, sondern ehemalige, „Inventar“ genannte Mitbewohner und Haussklaven, die, wenn sie nicht mitziehen, Erlösung in einer Euthanasie-Klinik vorfinden.
Der Science-Fiction erprobte Regisseur Richard Fleischer („20000 Meilen unter dem Meer“, 1956; „Die Fantastische Reise“, 1967) wagt in der Ära der Flower-Power-Bewegung und atomaren Desekalation eine der pessimistischsten Hypothesen, die je in einem Hollywood-Film auftauchten, dabei an Momente der Barbarei oder Mechanismen der Genozide deutscher Konzentrationslager anknüpfend. Die Aufrechterhaltung der Staatsmacht fußt nur noch auf der Rumpf-Verwaltung einer zerstörten Natur und Umwelt, auf Lüge und auf der Selbstzerfleischung einstiger Werte und Überlebens-Strukturen.
Für die Alt-Stars Heston, Robinson und Cotton eine Gelegenheit zur Abkehr vom Rollen-Klischee ihrer früheren Genres: das Kino der letzten Tage widerlegt den Mythos waffengespickter Weltenretter, die erst wieder im aufkommenden Blockbusterfilm ein Remake für den seriellen Amüsierbetrieb wiederrichten.

Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Fr 06.11.15 23:55 Uhr
Fr 20.11.15 23:55 Uhr
Fr 27.11.15 23:55 Uhr
Sa 26.12.15 23.55 Uhr

WESTWORLD
DT: „Westworld“
(USA 1973, 89 Min., OV, CinemaScope)
R: Michael Chrichton
B: Michael Chrichton
D: Yul Brunner, Richard Benjamin, Linda Scott, James Brolin u.a

Noch vor „Jurassic Park“ war „Westworld“ – und gilt als Urmutter filmischer Horrorszenarien über eine vom Marketing verstopften Konsumgesellschaft. Beide Filme haben Michael Chrichton zum geistigen Schöpfer: in beiden eskalieren von Menschen erschaffene Wesen, die nur äusserlich Repliken früherer Erdbewohner abgeben, aber ein psychotisches Eigenleben führen. Kein finsterer, personalisierter Grossrechner wie Colossus („The Frobin Project“) oder HAL-9000 („2001: A Space Oyssey“) ist Urheber menschlicher Collateralschäden in „Westworld“, sondern – innovativ für die Entstehungszeit des Films – anonyme, sich fortpflanzende Computer-Viren. Die Verstiegenheit käuflicher Eskapaden, etwa in einer Art Disney-Land für Erwachsene verborgenste Wünsche abseits jeglichen Gesetzes auszuleben, spiegelt zugleich Anflüge der Desillusionierung in der amerikanischen Industriegesellschaft, die in der Spät-Phase des Vietnam-Kriegs jedweder Ethik längst verlustig geworden war. Der „native“ Grusel beschleicht den Betrachter spätestens in der Nichtunterscheidbarkeit von Original und Replikant – ein Vexierspiel der Pop-Kultur und des Kinos. Ikonisch steht auch Yul Brunners Verkörperung des schwarzen Scheriffs, der zur Tötungsmaschine mutiert, Pate für Plots der „Terminator“-Sequels ab den 1980er Jahren.

Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih

Fr 04.12.15 21:45 Uhr
Fr 11.12.15 21:45 Uhr
Fr 18.12.15 21:45 Uhr

THE MATRIX
DT: „Matrix“
(USA 1999, 131 Min., 35mm, OV, CinemaScope)
R: Wachowski-Geschwister
B: Wachowski-Geschwister
D: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss u.a.

Gezüchtete Menschen in Flüssigkeitskammern sind Kinder einer „Matrix“: lateinisch Gebärmutter, mathematisch als Skalierung von Zahlen in Tabulaturen verstehbar. Das Buch der Wachowski-Geschwister („Bound“) plündert die halbe antike Mythologie und schafft somit ein faszinierendes Spannungsfeld aus Action-Plots und philosophischen Anspielungen, die trotz ihrer Beliebigkeit komplexe Denkräume zu öffnen imstande sind. In der Postmoderne bleibt solcher Chique der Thesen zum Kulturpessimismus zwar beliebig und tendiert auch schlicht zu Schwarzweiss-Charakteren der Comic-Kultur (der Film schwankt nicht umsonst zwischen grüner Monochronie und Schwarztönen: die duale Welt der Bits und Bytes, Erlöser „Neo“ gegen Dubletten des Teufels), mit diesem Genre-Vorreiter aber öffnet die Filmtechnologie des digitalen Morphing zum ersten Male den Blick in eine konsquent andere Form. Diese Ästhetik versucht in Abkehr vom Abbildrealismus die Verflechtungen des modern vernetzten Menschen mit einem Paralluniversum, dem des Internets, in einer Höllenvision weiterzuspinnen. Ein Effekt, der radikal unsere Lebenserfahrungen verfremdet, aber auch den Verlust von Freiheit thematisiert.

Bildrechte: Warner Bros. Filmverleih

Fr 04.12.15 23:59 Uhr
Fr 11.12.15 23:59 Uhr
Fr 18.12.15 23:59 Uhr

INNERSPACE
DT: „Die Reise ins Ich“
(USA 1987, 115 Min., 35mm, OV, WideScreen)
R: Joe Dante
B: Jeffrey Boam
D: Dennis Quaid, Martin Short, Meg Ryan u.a

Remake des Richtard-Fleischer-Films, der 1966 mit abenteuerlichem Pathos und realistischem Ernst eine Reise in den Mikrokosmos zum Vehikel einer Breitwandorgie instrumentalisierte. Anders das Remake: Joe Dante („Piranhas“, „Gremlins“) ist Komödiant und Horror-Experte, und das schafft 1987 unter der Produktion von Steven Spielberg eine turbulente Verquickung mit der Partystimmung der neueren Blockbuster. Parodistische Einlagen wechseln sich ab mit Running-Gags, die für Schulschwänzer unter dem damaligen Premierenpublikum bunte Einsichten in die menschliche Biologie nachholte.
Weniger Dennis Quaid, er verkörpert den Navy-Piloten, rückt in die Heldenposition, sondern ein neurotisch torkelnder Loser und Supermarkt-Kassierer, dargestellt von Martin Short, der mit der Injektion der Mini-U-Boote in seinem Körper zurechtkommen muss. Dennis Muren erhielt den Oscar für die Visual Effects der state-of-the-art-Modellanimationen, die noch heute beeindrucken.

Bildrechte: Warner Bros. Filmverleih

Archiv

am SA 2.5. um 15.30, SA 10.5. um 15.30, SA 30.5. um 15.30
BLADE RUNNER – DIRECTOR’S CUT (USA 1982/1993, R: Ridley Scott), 35 mm, engl. OV

am SO 3.5. um 13.30, SO 24.5. um 13.30
DIE ZEHN GEBOTE (USA 1956, R: Cecil B. DeMille, 35mm, deutsche Fassung)

am SA 2.5. um 23.59, SA 9.5. um 23.59, FR 15.5. um 23.59 Uhr, und 25.5.2015, MO 25.5. um 15.30
FLUCHT INS 23. JAHRHUNDERT (USA 1976, R: Michael Anderson), 35mm, deutsche Fassung

am SO 31.5.2015 um 15.30
DEMOLITION MAN (USA 1993, R: Marco Brambilla), 35 mm, engl. OV

SA 16.5. um 22.00, SA 23.5. um 15.30, SO 24.5. um 23.59
BATMAN (USA 1989, R: Tim Burton), 35 mm, engl. OV

am FR 8.5. um 23.59, SO 17.5. um 15.30, SA 23.5. um 23.59
BATMAN RETURNS (USA 1992, R: Tim Burton), 35 mm, engl. OV

am FR 1.5. um 23.59, DO 14.5. um 15.30, FR 19.5. um 23.39
ALIEN – DIRECTOR’S CUT (USA 1979/2003, R: Ridley Scott), 35 mm, DF

am FR 1.5. um 15.30, SA 16.5. um 23.59, SA 30.5. 23.59
MARS ATTACKS! (USA 1996, R: Tim Burton), 35 mm, engl. OV

Über uns

KINO ZUM ANFASSEN – MITMACHKINO

ANFASSEN ERLAUBT, MITMACHEN ERWÜNSCHT!

„Wenn der Projektor rattert und die Sehmaschine zum Leben erwacht, dann kann Kintopp vom Feinsten entstehen“ schwärmt Jean-Pierre Gutzeit, Historiker und Begründer des Kinomuseums Berlin. Das analoge Kino in seiner ursprünglichen Form gehört zu einer gerade untergegangenen Epoche – die traditionelle Filmbandproduktion ist eingestellt, mechanische Projektoren werden nicht mehr (kaum noch?) hergestellt. Das Kinomuseum Berlin hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturgeschichte des analogen Kinos sicht- und erlebbar zu machen – es bietet Kino zum Anfassen, Mitmachen und Schauen.
Anfassen: In seinen Räumen dürfen alle Originale auch berührt werden – von der originalen Filmrolle in verschiedenen Formaten (8 – 70 mm!), über analoge Schnittplätze und mechanische Projektoren verschiedener Technikepochen, bis hin zum Herzen des Filmgenusses – der „Sehmaschine“ (der Leinwand in verschiedenen Größen und Bauarten).
Mitmachen: In Schnupperkursen wird das Wissen rund um das Vorführen analogen Films weitergegeben. Selbst mitgebrachte Filme können vorgeführt werden.
Schauen: Die Berliner Kinogeschichte und Filmtheater-Architektur wird im Kinomuseum historisch aufgearbeitet und in Ausstellungen präsentiert. Daneben werden Vorführungen von Filmbandoriginalen zu bestimmten Themen gegeben. So lässt das Kinomuseum Berlin die Atmosphäre, den Charme und die Qualität alter Lichtspielstätten aufleben und hält das analoge Kino lebendig.

Text: Petra Hamdorf

Die Mitglieder des Kinomuseum Berlin e.V. genießen folgende Vorzüge:

  • freier Eintritt in alle dem Kinomuseum Berlin e. V. zuzordnenden Ausstellungen und Archive gemäss der regulären Öffnungszeiten (sowie nach Sondervereinbarung)
  • kostenlose Teilnahme an Exkursionen, Führungen und Vollversammlungen
  • Exklusivveranstaltungen für Mitglieder wie Ausstellungsvorschauen und Sonderführungen in den Ausstellungen mit persönlicher Einladung
  • regelmäßige Mitgliederbriefe mit Informationen über die Aktivitäten und Veranstaltungen des Vereins
  • vergünstigter Eintritt bei öffentlichen Filmvorführungen des Kinomuseum Berlin e.V.
  • Schnupperkurs, Filmvorführerausbildung in allen Filmstreifenformaten wie 8mm, 16mm, 35mm, 70mm
  • Abonnement und „temporäre“ Mitgliedschaft (vergünstigungen beim Festival-Pass
  • Einblick in alle Archivalien des Kinomuseums Berlin e.V., die außerdem im Intranet vom Verein dokumentiert werden

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Plakatausstellung im Cinestar in der Kulturbrauerei

Von Dezember 2011 bis Juni 2012 präsentierten wir uns im Foyer des Kino Cinestar in der Kulturbrauerei mit einer Ausstellung ausgewählter Filmplakate. Die Exponate waren Leihgaben unseres Mitgliedes Ed Zacharias.

DP 70

Klebepressen

Fotoausstellung „Kinoreisen“ in der astor filmlounge

Im Foyer der astor filmlounge am Kurfürstendamm präsentieren wir eine Ausstellung mit historischen Fotografien aus über 100 Jahren Kinogeschichte in Berlin. Der Besuch ist zu den Öffnungszeiten des Kinos jederzeit möglich. Der Eintritt ist frei.